gfs-Umfrage zu Energiepolitik zeigt hohe Akzeptanz für Windenergie

Das Forschungsinstitut gfs.bern führte eine Befragung bei 1’000 Einwohner:innen durch. Fazit: Versorgungssicherheit und Preisstabilität bleiben zentral. Erneuerbare Energien erfahren breite Unterstützung. Der Ausbau der Windenergie wird von 72 Prozent der Befragten befürwortet.

Die Studie wurde im Auftrag des Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE zwischen dem 11. März und dem 21. März 2025 durchgführt. Die Fragen betrafen Energiepolitik und Versorgungssicherheit.

Wichtigste Aussagen zur Windenergie

Im Kapitel Massnahmen zur Gewährleistung der Versorgungsicherheit finden nachhaltige Energieproduktionsformen und allen voran die Energieeffizienz die höchste Zustimmung. Beim Wind bestätigt sich die hohe Zustimmung von fast drei Vierteln der Bevölkerung, die bereits 2023 in einer Umfrage des Tages-Anzeiger im Kanton Zürich festgestellt wurde. Die Zustimmung in Prozent:

  • Förderung der Energieeffizienz (94%)
  • Ausbau von Solaranlagen auf Dächern und Fassaden (94%)
  • Ausbau der Wasserkraft (92%)
  • Investitionen in die Eigenproduktion von Energie durch Konsument:innen (82%)
  • Ausbau der Biomasse (79%)
  • Ausbau der Geothermie (74%)
  • Ausbau der Windkraft (72%)

Die Zustimmung zur Windenergie ist je nach Parteicouleur unterschiedlich hoch. 90 Prozent der Sympathisant:innen von Grünen, SP und GLP unterstützen den Ausbau. Bei der technikgläubigen FDP sind es erstaunlich tiefe 49 Prozent. Obwohl die SVP sich penetrant gegen die Windenergie stellt, liegt die Zustimmung ihrer Anhängerschaft bei immerhin 42 Prozent.

Für den Fall, dass der im Stromgesetz beschlossene Ausbau der Stromproduktion nicht ausreicht, setzt die Schweizer Bevölkerung eher auf erneuerbare Energien als auf Gas- und Kernkraftwerke. Jeweils eine Mehrheit würde in einer solchen Situation für mehr Wasser (53%) respektive mehr Solar (50%) plädieren. Bei jeder dritten Person würde die Wahl auf mehr Wind oder Kernkraftwerke fallen.

Mut macht die Altersverteilung. Die 18-39 Jährigen setzen viel deutlicher auf Solar, Wind und Wasser. Die über 40 Jährigen zeigen ein indifferenteres Meinungsbild.

Sehr konstant zeigt sich die Zustimmung zu Anlagen die direkt in die Natur gebaut werden. 59 Prozent der Befragten sind einverstanden mit Windrädern auf Hügeln, die vom eigenen Balkon aus sichtbar sind. Grossen Solaranlagen auf freien Wiesen in den Bergen werden nur von 50 Prozent akzeptiert.

Management Summary des Berichts

Zustimmung zur Energiepolitik; Zielkonflikte

  • Eine stabile Mehrheit von 59 Prozent steht hinter der aktuellen Energiepolitik – insbesondere Anhänger:innen von GLP (78%), SP (73%) und der Mitte (71%) zeigen hohe Zustimmung. 
  • Die Bevölkerung erkennt zunehmend den Dreiklang aus Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Kosten als politisches Spannungsfeld – 63 Prozent empfinden die Energiewende als zu langsam, 56 Prozent fordern sofortigen Umstieg.  
  • Die Förderung erneuerbarer Energien ist breit abgestützt (80%) – allerdings mit der Erwartung, dass weder Versorgung noch Landschaftsschutz oder Bezahlbarkeit dabei geopfert werden. 

Prioritäten und Sorgen zur Versorgungssicherheit

  • Versorgungssicherheit bleibt mit 45  Prozent die wichtigste Priorität im energiepolitischen Trilemma – bezahlbarer Strom (29%) und Klimaneutralität (26%) folgen mit Abstand. 
  • 51  Prozent der Bevölkerung machen sich Sorgen um die Versorgungssicherheit in zehn Jahren – besonders stark im SVP-Lager (62%), am wenigsten ausgeprägt bei der Mitte (38%). 
  • Parteipräferenz, Alter, Bildung und Geschlecht beeinflussen die Gewichtung: Jüngere tendieren stärker zur Versorgungssicherheit, ältere und tiefer gebildete Personen achten zunehmend auf Preisstabilität. 

Technologieakzeptanz und Ausbaumassnahmen

  • Massnahmen wie Energieeffizienz (94%), Solaranlagen auf Dächern (94%) und Wasserkraft (92%) geniessen höchste Akzeptanz – sie gelten als konsensfähige Säulen der Versorgungssicherheit. 
  • Atomkraftwerke der nächsten Generation finden mit 53 Prozent mehrheitlich Zustimmung – klassische AKW (39%) sowie Gaskraftwerke (45%) hingegen bleiben umstritten. 
  • Politische Massnahmen wie Regulierungen und Verbote polarisieren stark entlang parteipolitischer Linien – während steuerliche Anreize mit rund 70  Prozent Zustimmung parteiübergreifend tragfähig erscheinen. 

Einstellung zur Energiewende und Produktionsstandorte

  • Die Energiewende wird von einer Mehrheit als zu langsam empfunden (63%) – gleichzeitig herrscht grosse Bereitschaft, einfache Energiesparmassnahmen selbst umzusetzen (z. B. effiziente Geräte: 97%). 
  • Solaranlagen auf bestehenden Infrastrukturen (94%) und Gletscherspeicher (76%) sind nahezu unumstritten – Windräder (59%) und Freiflächenanlagen in Sichtweite (50%) stossen auf geteilte Meinungen. 
  • Gaskraftwerke im Wohnumfeld werden von 57  Prozent abgelehnt – sie sind die einzigen Stromproduktionsanlagen mit klarer Negativmehrheit. 

Blackout-Initiative und Energiepolitische Grundhaltungen

  • Die Volksinitiative «Jederzeit Strom für alle» (“Blackout-Initiative” der SVP, die AKWs als klimaneutral etablieren will) polarisiert: 46  Prozent stimmen zu, 48  Prozent lehnen ab – vor allem das bürgerliche Lager (FDP, SVP) befürwortet sie, während das links-grüne Lager sie deutlich ablehnt. 
  • Unterstützt wird insbesondere die Technologieoffenheit (68%) und wirtschaftliche Versorgungssicherheit (72%) – zugleich überwiegen bei vielen die Bedenken: 74  Prozent glauben nicht an die kurzfristige Wirksamkeit neuer AKWs. 
  • Die Debatte ist stark wertegetrieben: Neben rationalen Überlegungen beeinflussen auch politische Grundhaltungen und Zukunftsvisionen die Meinungsbildung zur Initiative. 

EU-Stromabkommen und Marktöffnung

  • Die Zustimmung zu einem Stromabkommen mit der EU steigt auf 79 Prozent – so hoch wie nie zuvor. Besonders grosse Zugewinne verzeichnen SVP-Anhänger:innen (+22  Prozentpunkte) und Parteiungebundene (+37  Prozentpunkte). 
  • Auch die vollständige Marktöffnung findet mit 56  Prozent eine knappe Mehrheit – allerdings wollen 69  Prozent bei ihrem heutigen Stromanbieter bleiben, was auf ein hohes Sicherheits- und Stabilitätsbedürfnis hinweist. 
  • Die Meinungsbildung zum Stromabkommen ist weiterhin volatil – das Thema bleibt eng mit der politischen Identität und der Debatte um die bilateralen Beziehungen zur EU verknüpft. 

Links

Verband Schweizer Elektrizitätswerke (Auftraggeber): https://www.strom.ch/de/nachrichten/vse-umfrage-bestaetigt-versorgungssicherheit-hat-fuer-schweizer-bevoelkerung-oberste-prioritaet

gfs.bern: https://cockpit.gfsbern.ch/de/cockpit/versorgungssicherheit-2025-2/

SRF: https://www.srf.ch/news/schweiz/umfrage-gfs-bern-schweiz-will-sichere-bezahlbare-und-klimaneutrale-energie

SRF4 News vom 10. Februar 2024: Darum hinkt die Schweiz bei der Windenergie hinterher (Audio)