Schweiz in Europa (fast) Schlusslicht punkto Wind- und Solarenergie

Screenshot SRF news vom 12. Juni 2025

Die Schweizerische Energie-Stiftung berechnet jedes Jahr in einer Studie die Solar- und Windstromproduktion pro Kopf in der Schweiz und in der EU. 2024 landete die Schweiz in dieser Rangliste weit hinten auf Platz 22. Die EU-Spitzenreiter produzierten pro Kopf sechsmal mehr als die Schweiz.

Gemäss der aktuellen Studie der Schweizerischen Energiestiftung (SES) werden hierzulande knapp 11 Prozent des inländischen Stromverbrauchs aus Sonne und Wind erzeugt. In Dänemark liegt dieser Anteil bereits bei über 76 Prozent.

Screenshot SES-Studie (2025): Pro-Kopf-Stromproduktion aus Photovoltaik, Windkraft und den beiden Technologien kombiniert im Jahr 2024 in den EU-Staaten und der Schweiz.

Eine beträchtliche Anzahl Länder konnte ihren Anteil aus Solar- und Windenergie am Stromverbrauch innerhalb von nur fünf Jahren um 20 Prozentpunkte und mehr steigern. Die Schweiz verharrt mit einer Zunahme von «nur» 7.2 Prozentpunkten auch hier im hinteren Teil des Feldes.

Bei der Solarenergie konnte die Schweiz im europäischen Vergleich zwei Plätze gutmachen, wird aber weiterhin deutlich von nördlich gelegenen EU-Staaten übertroffen, obwohl dort die für die Stromgewinnung relevante Sonneneinstrahlung deutlich geringer ist. Die an der Spitze liegenden Niederlande produzieren pro Person fast doppelt so viel Solarstrom wie die Schweiz. Auch Österreich, Luxemburg und Deutschland übertreffen die Schweiz in ihrer Solarstromproduktion deutlich.

Als Binnenländer verfügen Österreich und Luxemburg über ähnliche Voraussetzungen bezüglich der natürlichen Ressourcen, Topologie und verfügbaren Flächen wie die Schweiz. Dass sie bei der Stromproduktion aus Sonnen- und Windkraft dennoch mehr als doppelt so viel erzeugen, zeigt das grosse noch brachliegende Potenzial in unserem Land. Vor allem der Ausbau der Windkraft stagniert bisher noch weitgehend in der Schweiz.

Screenshot aus SES-Studie: Ausbau der gesamten Solar- und Windstromproduktion pro Kopf (a) und nach aufgeteilt nach Technologie (Solar, b und Wind, c) von 2010 bis 2024 in der Schweiz (rot), Deutschland (grau), Österreich (schwarz) und dem jeweiligen führenden Land (Stern), sowie den übrigen EU-Staaten. Daten bis 2023 aus den früheren Ländervergleichen der SES.

Die Windkraft spielt in den nordischen Ländern, Österreich und Deutschland eine zentrale Rolle, während sie in der Schweiz kaum vorhanden ist. So stehen in unserem östlichen Nachbarland rund 1500 Turbinen – 30 Mal mehr als bei uns.

SES: Versorgungssicherheit durch Austausch mit Europa

Neben dem grossen Potenzial für den weiteren Ausbau der Solar- und Windenergie in der Schweiz zeigt die Studie, dass der Stromaustausch mit den Nachbarländern ein wichtiges Element für die Schweizer Energiewende darstellt. Der Anteil von Solar- und Windstrom an den Importen nimmt kontinuierlich zu und trägt grossflächig zur Stabilität und Versorgungssicherheit in Europa bei.

Die Schweiz gehört mit über 40 grenzüberschreitenden Übertragungsnetzen zum europäischen Netz. Vor allem die Windenergieanlagen im europäischen Umland liefern wertvollen Winterstrom auch für die Schweiz.

Die Teilnahme am europäischen Stromhandel und -austausch ist gemäss SES wichtiger Bestandteil für die Schweizer Versorgungssicherheit. Das Stromabkommen mit der EU, das in Kürze präsentiert wird, bilde die Grundlage dafür.

Quellen

Schweizerische Energiestiftung, 11. Juni 2025: Ländervergleich 2024: Stromproduktion mit Sonne und Wind zeigt Fortschritte – Einzelne europäische Staaten ziehen davon

Studie zum Download (PDF)

SRF Tagesschau vom 12. Juni 2025 (ab Minute 8:46)