Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind eine Gruppe von über 10’000 Industrie- und Haushalts-Chemikalien. Viele PFAS sind fett-, schmutz- und wasserabweisend und äusserst stabil. Als «Ewigkeitschemikalien» gelangen sie auch in unsere Nahrung und unser Trinkwasser und gefährden Mensch und Natur. Windanlagen fallen bei den Emissionen allerdings kaum ins Gewicht.
Es gibt über 10’000 verschiedene PFAS, wovon über 1400 in Produkten verwendet werden. Sie stecken in vielen Materialien.
Für den Menschen sind sie unmittelbar problematisch, wenn sie in die Nahrungskette oder ins Trinkwasser gelangen. Zum Beispiel über Backpapier oder beschichtete Pfannen. Auch der direkte Körperkontakt via Bekleidung, Imprägnierspray, Zahnseide oder Kosmetika ist nicht unproblematisch.

Untersuchung der ETH und der ZHAW: Über 99 Prozent der Schweizer Böden sind mit PFAS belastet
PFAS kommen in der Schweiz flächendeckend vor. Erhöhte Belastungen finden sich jedoch nur an spezifischen Standorten. Für eine Übersicht haben Forschende der ZHAW und der ETH Zürich im Auftrag des Bundesamts für Umwelt 1070 PFAS-Bodenmessungen zusammengetragen und ausgewertet. PFAS sind in über 99 Prozent der Bodenproben nachweisbar. Erhöhte Belastungen finden sich auf Flächen mit vermutetem Einsatz von Löschschaum oder Klärschlamm. Die Messungen stammen aus kantonalen Untersuchungen und der Nationalen Bodenbeobachtung. Der Median für PFAS im Oberboden beträgt 2.4 µg/kg Trockensubstanz (TS).
Median: Die Hälfte aller Messungen liegt über diesem Wert, die andere Hälfte darunter.
(Keine) PFAS in Schweizer Windenergieanlagen
Die Belastung durch Windräder war nicht Gegenstand der obigen Untersuchung. Für die Schweiz gibt es 2026 erst eine einzige Studie zum Thema PFAS und Windenergie. Auf die Anfrage 2025-129 von Grossrätin Jasmine Said-Bucher (Mitte) antwortete die Bündner Regierung (Auszug):
«Im März 2013 wurde das Windrad in Haldenstein als erste grosse Windenergieanlage im Kanton Graubünden in Betrieb genommen. Sie war zeitweise auch die grösste derartige Anlage der Schweiz und liefert seit Inbetriebnahme ca. 4,5 GWh Strom pro Jahr. Im August 2025, d. h. nach mehr als zwölf Jahren Betrieb, hat das Amt für Natur und Umwelt (ANU) direkt unterhalb und in der Nähe der Windenergieanlage Bodenproben genommen, diese auf
PFAS analysiert und mit Proben anderer Böden im Rheintal und in der Schweiz verglichen. Die im Einflussbereich der Windenergieanlage gefundene PFAS-Belastung lag bei 1,7 µg/kg und damit leicht unter dem Konzentrationsbereich der Hintergrundbelastung von 2 bis 5 µg/kg, die schweizweit in Böden zu erwarten ist. Ein Einfluss des Windrads auf die PFAS-Belastung des Bodens ist somit nicht erkenn- und nachweisbar.»
EU: Einfluss der Windanlagen kaum messbar
In der EU liegen ausführliche Zahlen von 2020 vor. Demnach werden in der EU jährlich mehr 75’000 Tonnen PFAS aller Arten emittiert. Hauptemissionen sind F-Gase (38.806 Tonnen), die als Kältemittel in Kälte- und Klimaanlagen, als Treibgas in Sprays, als Treibmittel in Schäumen und Dämmstoffe und als Feuerlöschmittel zum Einsatz kommen. Am zweitwichtigsten sind Textilien, Polster, Leder, Teppiche und ihre Beschichtungen (22.820 Tonnen).

55 Tonnen oder weniger als 1 Promille der PFAS-Emissionen entfallen auf den ganzen Energiesektor der EU. Dazu gehören die Kohle- und Kernkraftwerke, Elektrolysetechnologien, Photovoltaik, PEM-Brennstoffzellen und Lithium-Ionen-Batterien sowie die Windenergie-Anlagen.
Im Vergleich zu den 75’000 Tonnen Emissionen aus anderen Nutzungen fallen die seinerzeit etwa 130’000 EU-Windräder somit kaum ins Gewicht.
Aktuelles Beispiel 1: das PFAS Trifluoressigsäure (TFA) im Rindfleisch, im Boden und im Trinkwasser
PFAS sind buchstäblich in aller Munde, werden aber erst seit Kurzem als Problem wahrgenommen.
Als eines der grössten aktuellen PFAS-Probleme gilt das sehr stabile Abbauprodukt Trifluoressigsäure (TFA), das bei der Zersetzung von PFAS entsteht. Es ist flächendeckend in teilweise Besorgnis erregenden Konzentrationen in Böden, im Grundwasser und damit im Trinkwasser und in unserem Essen zu finden. Drei wichtige Ausbreitungswege:
- Pestizide: PFAS sind Bestandteil vieler Pestizide, TFA ein häufiges Abbauprodukt davon.
- Regen: TFA-bildende Gase aus Kälte- und Treibmitteln gelangen in die Atmosphäre. Dort entsteht TFA und gelangt mit dem Niederschlag in den Boden und ins Grundwasser.
- Klärschlamm: Bekannt wurden die PFAS durch ein Verkaufsverbot für Rindfleisch von fünf Bauernbetrieben in sechs Gemeinden im Kanton St. Gallen. Die überhöhten Werte wurden zuerst im Boden der betroffenen Gemeinden festgestellt, danach in tierischen Produkten. Die Behörden vermuten als Ursache Klärschlamm, mit dem die Felder bis 2006 gedüngt werden durften. Das Problem ist durch das Verkaufsverbot bei weitem nicht gelöst.
Aktuelles Beispiel 2: PFAS in Aargauer Fischen
Das Aargauer Amt für Verbraucherschutz (AVS) hat zwischen Mai 2025 und Januar 2026 insgesamt 107 Fischproben von sechs verschiedenen Fischarten aus acht Aargauer Gewässern untersucht. 30 Proben (28 Prozent) überschritten die geltenden Höchstwerte. Dazu zählen der Hecht aus dem Hallwilersee wie auch der Alet aus Bünz und Reuss. In den übrigen Proben lagen die mittleren PFAS-Konzentrationen pro Fischart und Gewässer unterhalb der zulässigen Höchstgehalte. Fische aus Fischzuchten sind nicht betroffen. Die behördlichen Massnahmen werden pro Fischart verfügt:
- Hecht: Dieser darf wegen Höchstgehaltüberschreitungen bis auf Weiteres nicht mehr kommerziell vermarktet oder unentgeltlich abgegeben werden. Privatpersonen dürfen Hechte am Hallwilersee jedoch nach wie vor befischen. Auch der private Eigenverzehr bleibt erlaubt. Aufgrund der festgestellten PFAS-Belastung empfiehlt das AVS, maximal eine Portion (120 g-Filet) Hecht pro Monat zu konsumieren.
- Egli: Beim Egli aus dem Hallwilersee empfiehlt das AVS, den Verzehr auf eine Portion alle zwei Monate zu beschränken.
- Alet: Beim Alet werden keine behördlichen Massnahmen ergriffen. Der Alet aus der Bünz und Reuss ist gemäss AVS vergleichsweise gering belastet, wird nicht kommerziell vermarktet wird und gehört nicht zu den häufig verzehrten wildlebenden Speisefischen.
Um Ergebnisse allfälliger PFAS-Belastung der Milch zu ermitteln, startet das AVS 2026 ein Monitoring von Mischmilchproben aus Tanklastwagen. Erste Ergebnisse werden in der zweiten Hälfte 2026 erwartet.
PFAS sind krebserregend und teuer zu sanieren
PFAS stehen unter anderem im Verdacht, Krebs und Erbgutveränderungen zu verursachen. Wasserlebewesen können geschädigt werden.
Die jährlichen gesundheitsbezogenen Gesamtkosten im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber PFAS wurden 2019 für die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) auf mindestens 52 bis 84 Milliarden Euro und für die Vereinigten Staaten im Jahr 2018 auf 6 bis 62 Milliarden USD geschätzt. Die jährlichen Gesamtkosten für Umweltscreening, Überwachung bei Kontamination, Wasseraufbereitung, Bodensanierung und Gesundheitsbewertung belaufen sich im EWR plus der Schweiz auf 821 Millionen bis 170 Milliarden Euro.
Die American Water Works Association schätzt, dass es 370 Milliarden Dollar kosten würde, die PFAS aus dem US-Trinkwasser zu entfernen. Unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Kosten liegen die Kilogrammkosten für PFAS bei rund 18.700 €, während der durchschnittliche Marktpreis von PFAS bei rund 19 € pro Kilogramm liegt.
Gesetzliche Beschränkungen sind unterwegs
Nicht nur Expert:innen ist klar, dass PFAS möglichst an der Quelle vermieden werden sollten. Für einige der heutigen Einsatzgebiete gibt es Alternativen.
Die Regulierung ist schwierig, da es sich um eine riesige Stoffgruppe mit sehr unterschiedlichen Anwendungen und verschiedenen Auswirkungen auf die Umwelt handelt. Nur ein Teil wird heute als kritisch eingestuft.
Die EU arbeitet derzeit an mehreren Regulierungen, welche über kurz oder lang von der Schweiz nachvollzogen werden dürften. Eine davon sieht mittelfristig ein weitgehendes Verbot dieser Stoffe vor.
In der Schweiz sind über 100 Vorstösse im Parlament deponiert worden. Sie betreffen meist nur einen bestimmten Bereich.
Gleichzeitig hat das gleiche Parlament weit gehende Lockerungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln beschlossen. Viele davon sind mit PFAS angereichert, um die Wirksamkeit des Pestizids zu erhöhen, siehe oben.
Wo werden PFAS bei der Windenergie eingesetzt?
PFAS sind bei der Nutzung für Windräder überwiegend in Kunststoffe (Fluorpolymere) eingebaut, zum Beispiel als Beschichtungen zum Schutz der Rotorblätter. In dieser Form lassen sie sich kaum aus den Partikeln herauslösen.
Der grösste Teil der PFAS bleibt somit bis zum Ende der Nutzung am vorgesehenen Ort. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Nutzungen, wo PFAS flüssig oder gasförmig in die Umwelt gelangen wie z.B. bei Pestiziden oder Feuerlöschschäumen.
Was ist zu tun?
PFAS bei Windrädern sollten gemäss zukünftiger EU-Regulierung möglichst schon bei der Konzeption und beim Bau vermieden, beim Betrieb minimiert und zuletzt fachgerecht entsorgt werden. Dies geschieht durch Verbrennung bei hohen Temperaturen.
Leider gibt es im Ausland einige Negativbeispiele, wo Windräder nicht fachgerecht entsorgt wurden. Wie bei allen anderen Industrien ist die Eigenverantwortung der Betreiber gefordert, vor allem aber auch die gesetzliche Kontrolle durch die Behörden.
In der Schweiz fehlen entsprechende Regulierungen bisher, weil es auch noch kaum Windräder gibt. Darum soll das Schweizer Parlament rechtzeitig die entsprechende Gesetzgebung in die Wege leiten.
Welche Bedingungen müssen Windräder erfüllen
In Schweizer Anlagen sind mehrere Gesetzgebungen einzuhalten, unter anderem zu Umweltschutz, Gesundheit, Chemikalien, Bau, Raumplanung.
Unter anderem wird vor der Genehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Betreiber sind zum Rückbau der Anlagen verpflichtet. Dafür sind finanzielle Reserven zur bilden. Im Aargau bestimmen die Standortgemeinden über die raumplanerischen Rahmenbedingungen mit, während in anderen Kantonen wie Luzern oder Schaffhausen die kantonalen Behörden dafür zuständig sind.
Quellen
Studie von ETH und ZHAW (2026): PFAS-Konzentrationen in Schweizer Böden – eine Übersicht
Anfrage Said Bucher betreffend Schutz der Sömmerungsgebiete bei Aufstellung von Windrädern (GRP 2/2025-2026, S. 205) mit Antwort der Graubündner Regierung
Bundesamt für Umwelt (CH)
- Themenseite PFAS
- Präsentation Gewässerbelastung und regulatorische
Entwicklung in der Schweiz und der EU. Cercl’eau 2024, Luzern
Wikipedia zu PFAS. Enthält Angaben und Quellen zu ungedeckten Umwelt- und Gesundheitskosten.
Kanton Aargau zum Umgang mit PFAS bei belasteten Standorten
Amt für Verbraucherschutz des Kantons Aargau, Medienmitteilung vom 5. März 2026: PFAS-Belastung von wildlebenden Fischen in Aargauer Gewässern
Projekt Lindenberg, Beinwil: Umweltverträglichkeitsprüfung
Vorstösse im Schweizer Parlament
European Chemical Agency (zuständige EU-Behörde) zum EU-Gesetzgebungsprozess. Update, Summary: What you need to know about the updated PFAS restriction dossier (PDF, englisch)
SRF, alle Beiträge zu PFAS.
- SRF, 2.9.2025: Bund spart Studie zu Belastung durch PFAS und Pestizide weg
- SRF, 9.9.2025: Wie gefährlich sind PFAS – und gibt es Alternativen?
Mitteldeutscher Rundfunk (ARD), 3. Februar 2025: Umweltschädliche Stoffe: ist die Energiewende in Gefahr (mit Grafiken)

