Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind eine Gruppe von über 10’000 Industrie- und Haushalts-Chemikalien. Viele PFAS sind fett-, schmutz- und wasserabweisend und äusserst stabil. Als «Ewigkeitschemikalien» gelangen sie auch in unsere Nahrung und unser Trinkwasser und gefährden Mensch und Natur. Windanlagen fallen bei den Emissionen allerdings kaum ins Gewicht.
Es gibt über 10’000 verschiedene PFAS, wovon über 1400 in Produkten verwendet werden. Sie stecken in vielen Materialien.
Für den Menschen sind sie unmittelbar problematisch, wenn sie in die Nahrungskette oder ins Trinkwasser gelangen. Zum Beispiel über Backpapier oder beschichtete Pfannen. Auch der direkte Körperkontakt via Bekleidung, Imprägnierspray, Zahnseide oder Kosmetika ist nicht unproblematisch.

Aktuelles Beispiel: TFA im Rindfleisch, im Boden und im Trinkwasser
PFAS sind buchstäblich in aller Munde, werden aber erst seit Kurzem als Problem wahrgenommen.
Als eines der grössten aktuellen PFAS-Probleme gilt das sehr stabile Abbauprodukt Trifluoressigsäure (TFA), das bei der Zersetzung von PFAS entsteht. Es ist flächendeckend in teilweise Besorgnis erregenden Konzentrationen in Böden, im Grundwasser und damit im Trinkwasser und in unserem Essen zu finden. Drei wichtige Ausbreitungswege:
- Pestizide: PFAS sind Bestandteil vieler Pestizide, TFA ein häufiges Abbauprodukt.
- Regen: TFA-bildende Gase aus Kälte- und Treibmitteln gelangen in die Atmosphäre. Dort entsteht TFA und gelangt mit dem Niederschlag in den Boden und ins Grundwasser.
- Klärschlamm: Bekannt wurden die PFAS durch ein Verkaufsverbot für Rindfleisch von fünf Bauernbetrieben in sechs Gemeinden im Kanton St. Gallen. Die überhöhten Werte wurden zuerst im Boden der betroffenen Gemeinden festgestellt, danach in tierischen Produkten. Die Behörden vermuten als Ursache Klärschlamm, mit dem die Felder bis 2006 gedüngt werden durften. Das Problem ist durch das Verbot nicht gelöst. Seit 2006 muss Klärschlamm verbrannt werden. Dabei gelangen Abbauprodukte in die Luft, in Zement oder als Filterstaub und Bestandteil der Asche auf Deponien.
Kanzerogen mit hohen externalen Kosten
PFAS stehen unter anderem im Verdacht, Krebs und Erbgutveränderungen zu verursachen. Wasserlebewesen können geschädigt werden.
Die jährlichen gesundheitsbezogenen Gesamtkosten im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber PFAS wurden 2019 für die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) auf mindestens 52 bis 84 Milliarden Euro und für die Vereinigten Staaten im Jahr 2018 auf 6 bis 62 Milliarden USD geschätzt. Die jährlichen Gesamtkosten für Umweltscreening, Überwachung bei Kontamination, Wasseraufbereitung, Bodensanierung und Gesundheitsbewertung belaufen sich im EWR plus der Schweiz auf 821 Millionen bis 170 Milliarden Euro.
Die American Water Works Association schätzt, dass es 370 Milliarden Dollar kosten würde, die PFAS aus dem US-Trinkwasser zu entfernen. Unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Kosten liegen die Kilogrammkosten für PFAS bei rund 18.700 €, während der durchschnittliche Marktpreis von PFAS bei rund 19 € pro Kilogramm liegt.
Gesetzliche Beschränkungen unterwegs
Nicht nur Expert:innen ist klar, dass PFAS möglichst an der Quelle vermieden werden sollten. Für einige der heutigen Einsatzgebiete gibt es Alternativen.
Die Regulierung ist schwierig, da es sich um eine riesige Stoffgruppe mit sehr unterschiedlichen Anwendungen und verschiedenen Auswirkungen auf die Umwelt handelt. Nur ein Teil wird heute als kritisch eingestuft.
Die EU arbeitet derzeit an mehreren Regulierungen, welche über kurz oder lang von der Schweiz nachvollzogen werden dürften. Eine davon sieht mittelfristig ein weitgehendes Verbot dieser Stoffe vor.
In der Schweiz sind über 100 Vorstösse im Parlament deponiert worden. Sie betreffen meist nur einen bestimmten Bereich.
PFAS in Windenergieanlagen
In der EU liegen Zahlen von 2020 vor. Demnach werden in der EU jährlich mehr 75’000 Tonnen PFAS aller Arten emittiert. Hauptemissionen sind F-Gase (38.806 Tonnen), die als Kältemittel in Kälte- und Klimaanlagen, als Treibgas in Sprays, als Treibmittel in Schäumen und Dämmstoffe und als Feuerlöschmittel zum Einsatz kommen. Am zweitwichtigsten sind Textilien, Polster, Leder, Teppiche und ihre Beschichtungen (22.820 Tonnen).

Für die Schweiz existieren keine vergleichbaren Zahlen.
PFAS in Windkraftanlagen
55 Tonnen oder weniger als 1 Promille der PFAS-Emissionen entfallen auf den ganzen Energiesektor der EU. Dazu gehören die Kohle- und Kernkraftwerke, Elektrolysetechnologien, Photovoltaik, PEM-Brennstoffzellen und Lithium-Ionen-Batterien sowie die Windenergie-Anlagen.
Im Vergleich zu den 75’000 Tonnen Emissionen aus anderen Nutzungen fallen die etwa 130’000 EU-Windräder somit kaum ins Gewicht.
In der Schweiz gibt es erst rund 50 Windkraftanlagen, sodass ihr Anteil an den Schweizer PFAS-Gesamtemission heute äusserst gering ist.
PFAS sind bei der Nutzung für Windräder überwiegend in Kunststoffe (Fluorpolymere) eingebaut, zum Beispiel als Beschichtungen zum Schutz der Rotorblätter. In dieser Form lassen sie sich kaum aus den Partikeln herauslösen.
Der grösste Teil der PFAS bleibt somit bis zum Ende der Nutzung am vorgesehenen Ort. Dies im Gegensatz zu vielen anderen Nutzungen, wo PFAS flüssig oder gasförmig in die Umwelt gelangen wie z.B. bei Pestiziden oder Feuerlöschschäumen.
Was ist zu tun?
PFAS bei Windrädern sollten gemäss zukünftiger EU-Regulierung möglichst schon bei der Konzeption und beim Bau vermieden, beim Betrieb minimiert und zuletzt fachgerecht entsorgt werden. Dies geschieht durch Verbrennung bei hohen Temperaturen.
Leider gibt es im Ausland einige Negativbeispiele, wo Windräder nicht fachgerecht entsorgt wurden. Wie bei allen anderen Industrien ist die Eigenverantwortung der Betreiber gefordert, vor allem aber auch die gesetzliche Kontrolle durch die Behörden.
In der Schweiz fehlen entsprechende Regulierungen bisher, weil es auch noch kaum Windräder gibt. Darum soll das Schweizer Parlament rechtzeitig die entsprechende Gesetzgebung in die Wege leiten.
Welche Bedingungen müssen Windräder erfüllen
In Schweizer Anlagen sind mehrere Gesetzgebungen einzuhalten, unter anderem zu Umweltschutz, Gesundheit, Chemikalien, Bau, Raumplanung.
Unter anderem wird vor der Genehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Betreiber sind zum Rückbau der Anlagen verpflichtet. Dafür sind finanzielle Reserven zur bilden. Im Aargau bestimmen die Standortgemeinden über die raumplanerischen Rahmenbedingungen mit, während in anderen Kantonen wie Luzern oder Schaffhausen die kantonalen Behörden dafür zuständig sind.
Quellen
Wikipedia zu PFAS. Enthält Angaben und Quellen zu ungedeckten Umwelt- und Gesundheitskosten.
Bundesamt für Umwelt (CH)
- Themenseite PFAS
- Präsentation Gewässerbelastung und regulatorische
Entwicklung in der Schweiz und der EU. Cercl’eau 2024, Luzern
Kanton Aargau zum Umgang mit PFAS bei belasteten Standorten
Projekt Lindenberg, Beinwil: Umweltverträglichkeitsprüfung
Vorstösse im Schweizer Parlament
European Chemical Agency (zuständige EU-Behörde) zum EU-Gesetzgebungsprozess. Update, Summary: What you need to know about the updated PFAS restriction dossier (PDF, englisch)
SRF, alle Beiträge zu PFAS.
- SRF, 2.9.2025: Bund spart Studie zu Belastung durch PFAS und Pestizide weg
- SRF, 9.9.2025: Wie gefährlich sind PFAS – und gibt es Alternativen?
Mitteldeutscher Rundfunk (ARD), 3. Februar 2025: Umweltschädliche Stoffe: ist die Energiewende in Gefahr (mit Grafiken)

