Laut Axpo könnte die einheimische Windenergie die Schweizer Wirtschaft auch in Energiekrisen zu wettbewerbsfähigen Preisen mit Strom versorgen.
“Die Windenergie ist die perfekte KMU-Energie”, betont Axpo-Windchef Cédric Aubert. Um den Ausbau voranzutreiben, fordert das Unternehmen die Kantone zu raschem und entschlossenem Handeln auf. Die Kantone müssen demnach zwei zentrale Aufgaben erfüllen:
- Beschleunigungserlass zügig umsetzen – und damit die Bewilligungsverfahren deutlich verkürzen
- Eignungsgebiete ausweiten – in den kantonalen Richtplänen müssen Windenergieflächen deutlich vergrössert werden
“Die Eignungsgebiete in den kantonalen Richtplänen sind ein absoluter Schlüssel und müssen ausgeweitet werden”, unterstreicht Clemens Bolli, leitender Experte für Energiepolitik bei Axpo. Diese Aussage deckt sich mit der wichtigsten Forderung von Pro Wind Aargau, die sie in der Anhörung zur kantonalen Energiestrategie energieAARGAU 2025 eingebracht hat.
Enormes ungenutztes Potenzial
Das Bundesamt für Energie (BFE) hat in einer Studie von 2022 berechnet, dass die Schweiz knapp 30 TWh Windstrom pro Jahr erzeugen könnte – selbst unter Berücksichtigung von Umwelt- und Lärmschutzauflagen.
Aktuelle Ausschöpfung:
- Kantonal ausgewiesene Eignungsgebiete: rund 7 TWh Jahresproduktion
- Technisches Potenzial: knapp 30 TWh Jahresproduktion
- Ausschöpfungsquote der Eignungsgebiete: nur etwa 23 %
- Realisiert: weniger als 1 Prozent.
- Im Aargau: 0 Prozent. Energiekanton Aargau – wo ist dein Ehrgeiz?
Positive Ausnahmen sind Graubünden und Basel-Landschaft, wo die ausgewiesenen Eignungsgebiete dem maximalen Potenzial entsprechen.
Warum die Diskrepanz?
Die Ausscheidung von Windeignungsgebieten hat mit dem technischen Fortschritt nicht Schritt gehalten. Die Windenergietechnik hat sich stark weiterentwickelt – wirtschaftliche Anlagen sind heute auch an Standorten mit schwächeren Windverhältnissen möglich.
Szenario für 2050
Für eine sichere Stromversorgung 2050 schlägt Axpo ein Szenario mit erneuerbaren Energien vor, das einen Windstromausbau auf 10 TWh jährlich anstrebt. Das entspricht etwa 7 TWh Winterstrom (da zwei Drittel der Windproduktion im Winterhalbjahr anfallen).
Da erfahrungsgemäss nicht das gesamte ausgewiesene Potenzial genutzt wird, müssen die kantonalen Richtpläne deutlich mehr Flächen ausweisen als 10 TWh Produktion.
Gemeinde-Vetorecht: Ein unnötiges Hemmnis?
Der Beschleunigungserlass sieht vor, dass Gemeinden weiterhin ein Vetorecht gegen Windprojekte besitzen können. Axpo fordert die Kantone auf, davon Abstand zu nehmen und stattdessen Gemeinden frühzeitig in die Planung einzubeziehen.
Drei Argumente gegen ein kommunales Vetorecht:
- Räumliche Auswirkungen überschreiten Gemeindegrenzen – Windenergieanlagen haben regionale Effekte
- Verfahren sind komplex – Einzelne Gemeinden verfügen oft nicht über die nötigen Ressourcen für solche Projekte
- Nationale Infrastruktur – Das nationale Interesse entspricht eher einer kantonalen als kommunalen Verantwortung (vergleichbar mit Flughäfen oder Autobahnen)
Wirtschaftlichkeit: Stabile Strompreise für Unternehmen
Axpo positioniert Windenergie nicht nur als kostengünstig, sondern als Schutz vor Energiekrisen. Über Wind-PPAs (Power Purchase Agreements) können Unternehmen Strompreise für 20–25 Jahre fixieren.
Kostenvergleich:
- Gestehungskosten Schweizer Windkraft: 7,5–12 Rappen/kWh
- Preisvorstellung von Unternehmen: ab 9 Rappen/kWh
Aubert ist überzeugt: Bei 9 Rappen pro kWh würden Unternehmen sofort unterschreiben – mit minimalem Förderungsbedarf.
Fazit
Die Schweiz verfügt über ein enormes Windenergiepotenzial, nutzt aber bislang nur einen Bruchteil davon. Mit erweiterten Eignungsgebieten, schnelleren Genehmigungsverfahren und klarer kantonaler Verantwortung könnte Windenergie zur wirtschaftlichen Säule der Schweizer Stromversorgung werden.
Links
Medienmitteilung Pro Wind Aargau zum Axpo Energy Report
Bundesamt für Energie, 24.8.2022: Windpotenzial Schweiz 2022. Schlussbericht.
SRF, 20.8.2022: Potenzial ist achtmal höher als angenommen
Bauernzeitung, 30.8.2022: Das Potential für Schweizer Windenergie ist 8-mal höher als bisher gedacht
Mario Graf in ener | gate messenger.ch (Paywall)
Axpo Energy Reports: So sichert die Schweiz ihre Stromversorgung

