Gefährden Windräder das Trinkwasser? Diese Frage wurde für die gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung detailliert untersucht. Die kurze Antwort lautet: Nein.
Wir geben in diesem Artikel unkommentiert die Original-Fragen von zwei Zeitungen und die Original-Antworten des AEW wieder. Das AEW ist der Hauptträger des geplanten Windparks Burg. Die Zeitungen haben die Antworten stark verkürzt. Wir möchten Ihnen die vollständigen Antworten zur Verfügung stellen.
Eigene Recherchen und Nachfragen haben ergeben, dass bei mittlerweile rund 200’000 Windrädern in Europa keine Fälle von Gefährdung des Trinkwassers bekannt geworden sind. Wie beim ebenfalls künstlich hochgekochten Thema «Ewigkeitschemikalien» PFAS kann aus wissenschaftlicher Sicht Entwarnung gegeben werden. Wieder einmal wird hier von einer fundamentalistischen, aber finanziell gut bestückten Gegnerschaft der Teufel an die Wand gemalt. Die fadenscheinigen Argumente halten einer seriösen Prüfung nicht stand.
Wertvolle Trinkwasserversorgung – Probleme richtig analysieren und anpacken!
Tatsächlich ist die Trinkwasserversorgung in den Gemeinden Wölflinswil und Oberhof genauer anzuschauen, wie deren Gemeinderäte bestätigen. Aber nicht wegen der geplanten Windanlagen, sondern wegen der aktuellen Probleme.
Die Problemlage ist zurzeit nicht klar und wird von den Gemeinderäten von Oberhof und Wölflinswil unterschiedlich beurteilt. Beide Gemeinden sitzen mit je zwei Vertreter:innen im Leitungsgremium des Wasserverbands Oberhof-Wölflinswil.
Gemäss den Zahlen des Gemeinderats Wölflinswil besteht ein enormer Leitungsverlust von heute 41 (!) Prozent – ohne jegliche Windräder. Weitere 19 Prozent sind vermeidbare bzw. reduzierbare Verluste (Brunnen, Bauwasser, Feuerwehr, «Fremdabgaben»). Nur rund 30 Prozent werden durch die Haushalte und weitere 10 Prozent durch die Grossverbraucher der beiden Gemeinden konsumiert.
Diese Situation ist zeitnah abzuklären. Sie kann mit etwas Aufwand wesentlich verbessert werden, falls die Zahlen zutreffen. Was sicher ist: Die Windräder haben damit nichts zu tun – es gibt sie ja schlicht noch nicht.


Die beiden obigen Folien wurden von Gemeindepräsident Sabato (Wölflinswil) am 26. März 2026 an einer Veranstaltung der Windkraftgegner präsentiert. Sie waren dem Gemeinderat Oberwil dazumal nicht bekannt und konnten noch nicht bestätigt werden.
Anfrage Neue Fricktaler Zeitung (NFZ)
- War der geologische Untergrund des Standortgebietes Burgmatte (Oberhof) beim Projektstart vor rund 15 Jahren ein Thema?
Ja, von Projektseite kam dem Thema von Anfang an grosse Bedeutung zu. Erste Untersuchungen wurden bereits 2013 durchgeführt.
- Gab es bereits damals Bedenken Seitens des Abwasserverbands Oberhof-Wölflinswil bezüglich der Trinkwasserversorgung?
Diese Frage sollte direkt dem Gemeindeverband Wasserversorgung Oberhof-Wölflinswil gestellt werden. An der öffentlichen Mitwirkung im Jahr 2017 nahm der Gemeindeverband nicht teil. Während der öffentlichen Auflage im Jahr 2021 reichte er eine Einsprache ein.
(Bemerkung: Der Verband nennt sich «Gemeindeverband Wasserversorgung Oberhof-Wölflinswil».)
- Hat die Windpark Burg AG als künftige Betreiberin der Windenergieanlage damals – oder im Verlauf des Verfahrens – abklären lassen, ob das Karstgebiet geeignet ist für den Bau von Zufahrtsstrassen und ein Windrad?
Ja, die Windpark Burg AG hat umfassende geotechnische und hydrogeologische Untersuchungen für den Bau der Windenergieanlagen und zugehörigen Infrastrukturen durchgeführt.
- Mit welchem Ergebnis?
Geotechnik: Für zwei Anlagen sind Fundamentpfähle erforderlich, die übrigen können mit Standardflachfundamenten erstellt werden. Hydrogeologie: Das unabhängige und renommierte Fachbüro Jäckli Geologie empfiehlt konkrete Schutzmassnahmen, die verbindlich im Umweltverträglichkeitsbericht aufgenommen wurden. Jäckli schreibt: «Unter Einhaltung dieser Massnahmen kann eine Gefährdung von Quellwasserfassungen praktisch ausgeschlossen werden.»
- Falls keine Abklärungen des Untergrunds gemacht wurden, warum nicht?
(Anm. der Redaktion: Es wurden Abklärungen gemacht. Darum keine Antwort auf diese Frage)
- Ich bin auf ein Merkblatt der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung aus dem Jahr 2018 gestossen, mit dem Titel «Windenergieanlagen in Karstgebieten – Risiken, Auswirkungen, Ratschläge und Massnahmen». Daher gehe ich davon aus, dass auch dem AEW die Risiken bekannt sind. Ist das so?
Ja, das Merkblatt ist uns bekannt. Die darin enthaltene Empfehlung, den Karstaspekt frühzeitig zu berücksichtigen, wurde durch die erwähnten Untersuchungen konsequent umgesetzt.
- War es ein Fehler, ein Karstgebiet als möglichen Standort auszuwählen?
Nein. Die durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass der Windpark unter Einhaltung der vorgesehenen Massnahmen umweltverträglich und mit Rücksicht auf die Wasserversorgung realisiert werden kann.
- Gibt es bereits Windräder in vergleichbaren Karstgebieten, können Sie auf Erfahrungen zurückgreifen?
Ja. Gemäss dem SGH-Merkblatt liegt ein grosser Teil der geplanten und bestehenden Windenergieanlagen in Karstgebieten. Ein bekanntes Beispiel in der Schweiz ist der Windpark Juvent auf dem Mont-Crosin.
- Der Abwasserverband Oberhof-Wölflinswil hat eine Einwendung gemacht. Können Sie etwas sagen zum Ausgang der Einwendungsverhandlung?
Im Rahmen der Einigungsverhandlung konnte keine Einigung erzielt werden.
- Wie gedenkt das AEW der Sorge der Bevölkerung betreffend die Wasserversorgung zu begegnen?
Mit offener und transparenter Kommunikation auf Basis wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse.
- Wird die Angst vor Wasserknappheit von den Gegnern allenfalls bewusst geschürt, um den Widerstand in der Bevölkerung zu intensivieren?
Ja, aus unserer Sicht trifft dies zu. Die langfristige Sicherstellung der Wasserversorgung ist in der Gemeinde bereits heute eine Herausforderung, unabhängig vom Windpark Burg. Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung jedoch sehr ernst. Wichtig ist eine sachliche Diskussion, die auf fundierten und belastbaren Fakten beruht. Interessant ist, dass in der Schweiz unseres Wissens kein Windpark einen negativen Einfluss auf die Wasserversorgung hatte, dies aber bei jeder Windparkplanung von den Gegnern als Argument gegen die Windanlagen ins Feld geführt wird.
- Wie tief in den Boden reicht eigentlich das für den Bau des Windrades geplante Fundament?
Die erwähnten Fundamentpfähle reichen bis in Tiefen von rund 25 Metern. Standardflachfundamente haben eine Tiefe von rund 3 Metern. Die Planung der Fundamentpfähle erfolgte in enger Abstimmung mit Fachpersonen aus Hydrogeologie, Geotechnik und Bauwesen.
Anfrage Aargauer Zeitung
- Wie gross ist die Chance, dass der Bau von Windrädern zu Verschiebungen im fragilen Karstgestein und damit zu Wassermangel in den umliegenden Gemeinden führt?
Bei der Planung haben wir eng mit dem unabhängigen und renommierten Fachbüro Jäckli Geologie zusammengearbeitet. Jäckli empfiehlt konkrete Schutzmassnahmen, die verbindlich im Umweltverträglichkeitsbericht aufgenommen wurden. Zur Einschätzung des Risikos für eine Beeinträchtigung des Trinkwassers schreibt Jäckli: «Unter Einhaltung dieser Massnahmen kann eine Gefährdung von Quellwasserfassungen praktisch ausgeschlossen werden.»
- Ein Geologe sprach davon, dass ein Bauwerk im schlimmsten Fall kippen oder im Boden versinken könnte. Wie real ist ein solches Szenario?
Dieses Szenario ist unrealistisch. Der Baugrund an den geplanten Standorten der Windräder wurde intensiv untersucht und von einem Fachbüro für Geologie und Geotechnik beurteilt.
- Wie möchte man sicherstellen, dass im Karstgebiet keine Schäden durch die Windanlage auftreten?
Durch eine sorgfältige Planung und fachgerechte Ausführung der Bauarbeiten unter Umsetzung der verbindlich vorgesehenen Schutzmassnahmen des Umweltverträglichkeitsberichts. Von Projektseite kam dem Thema von Anfang an grosse Bedeutung zu. Erste Untersuchungen wurden bereits 2013 durchgeführt.
- Ein Teil der Bevölkerung in und um Kienberg und Oberhof scheint beunruhigt zu sein bezüglich der Pläne für einen Windpark. Wie versucht die AEW, diese Personen zu beruhigen?
Mit offener und transparenter Kommunikation auf Basis wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse.
- Wie tief in den Boden würden die Bauarbeiten bei den fünf Windrädern führen?
Für zwei Anlagen sind Fundamentpfähle erforderlich, die Übrigen können mit Standardflachfundamenten erstellt werden. Die Fundamentpfähle reichen bis in Tiefen von rund 25 Metern. Standardflachfundamente haben eine Tiefe von rund 3 Metern. Die Planung der Fundamentpfähle erfolgte in enger Abstimmung mit Fachpersonen aus Hydrogeologie, Geotechnik und Bauwesen.
- Bei der Quelle Unterburg soll derzeit eine neue Schutzzone in Ausarbeitung sein. Potenziell wird diese in Zukunft ins Gebiet Burgmatte hineinragen – und im Einflussgebiet von drei der fünf geplanten Windräder liegen. Sehen Sie dies als Risiko?
Nein, die potenzielle Ausweitung der Schutzzonen wurde bei der Windparkplanung und der Ausarbeitung der Massnahmen bereits berücksichtigt.
- Der Gemeindeverband Wasserversorgung Oberhof-Wölflinswil reichte 2021 eine Einsprache ein. An einer kürzlich erfolgten Einigungsverhandlung soll keine Einigung erzielt worden sein. Wie geht es nun weiter mit der Einsprache?
Der Gemeinderat Oberhof wird über die Einsprache entscheiden.
- Ende 2025 scheiterten zwei Windpark-Gegner erneut vor Bundesgericht. Was steht heute noch im Weg, um eine rechtsgültige Baubewilligung für den Windpark Burg zu erhalten?
Die Genehmigungsprozesse sind komplex und entsprechend zeitintensiv. Auf Kienberger Seite steht der Entscheid des Gemeinderats über die Nutzungsplanung mit Baubewilligungsfunktion aus. Bei einem positiven Entscheid besteht die Möglichkeit, dass dieser von der Gegnerschaft vor Gericht weitergezogen wird. In Oberhof ist das Verfahren zur Nutzungsplanung ähnlich. Jedoch wird voraussichtlich im Herbst 2026 die Gemeindeversammlung noch über diese Nutzungsplanung abstimmen. Über das Baugesuch entscheidet der Kanton Aargau erst, sobald die Nutzungsplanung rechtskräftig ist.
Links
Neue Fricktaler Zeitung, 21.4.2026: Angst vor Wasserknappheit bewusst geschürt (Paywall; PDF)
Aargauer Zeitung,4.5.2026: AEW kontert Kritik am geplanten Windpark Burg: Gefährdung praktisch ausgeschlossen (Paywall)

