Exkursion zur alpinen Solaranlage in Sedrun

Alpine Photovoltaik-Anlage Sedrun-Solar

Wind, Sonne und Wasser liefern die Energie der Zukunft. Einige Mitglieder von Pro Wind Aargau nahmen an einer Exkursion zur alpinen Solaranlage «Sedrun Solar» Teil und machten sich vor Ort ein Bild.

Sedrun Solar entstand aus der Vision, die Schweizer Energiezukunft nachhaltig zu gestalten. Nach einer intensiven Planungsphase erhielt das Projekt im August 2023 die Zustimmung der lokalen Bevölkerung. Mit der Baubewilligung im Mai 2024 begann kurz danach der Bau. Bis 2028 soll sie ihre volle Leistung erreichen und ein Meilenstein der Energiewende sein.

Die «erste alpine Grossanlage der Schweiz» (Eigenwerbung Sedrun Solar) ist aktuell das grösste derartige Projekt der Schweiz. Auf dem Gemeindegebiet von Tujetsch in einer Höhenlage von 1950 bis 2100 Metern über Meer wird die Südausrichtung für eine möglichst effiziente Solarstromproduktion ausgenutzt.

Das Herzstück der Anlage bilden speziell entwickelte Modultische mit insgesamt 34200 hoch effizienten, bifazialen Photovoltaik-Modulen aus chinesischer Produktion. Sechs Transformatorenstationen mit 15 leistungsstarken Transformatoren zu je 1.6 MVA verarbeiten den erzeugten Strom. 67 Wechselrichter mit je 350 Kilowatt optimieren die Einspeisung ins Netz. Ein digitales Leitsystem überwacht und steuert die gesamte Anlage. Die Zahlen sind beeindruckend:

  • 330’000 m2 Fläche
  • 34’200 Module auf 5’700 Modultischen
  • 19.3 MWp Leistung
  • 29.06 GWh Strom pro Jahr – genug für 6500 Haushalte
  • 47 Prozent (!) im Winter

Anfang September 2025 sind rund 6 Prozent gebaut. Um die Förderung durch den «Solarexpress» des Bundes zu erhalten, müssen bis Ende 2025 10 Prozent in Betrieb sein. Durch die sehr effizient organisierte Montagekette – Helikopter und sehr gut eingespielte Montageteams spielen eine zentrale Rolle – wird das Ziel voraussichtlich erreicht.

Wohlwollend-kritische Auseinandersetzung

Die Teilnehmer:innen staunten über das politische Geschick der Projektant:innen, den Rückhalt durch die Bevölkerung und die hervorragende Projektorganisation.

Das Projekt ist auch in seiner räumlichen Dimension in dieser alpinen Umgebung sehr eindrücklich. Es handelt sich dabei um einen starken Eingriff in eine fragile Landschaft, die z.B. bereits als Skigebiet gewissen Belastungen ausgesetzt ist.

Die Bündner Bergbevölkerung ist sich allerdings gewohnt, Ökonomie, Ökologie und Soziales abzuwägen und optimal zu kombinieren. Fragen zur Nachhaltigkeit wurden darum frühzeitig einbezogen. So wurden z.B. einige Flächen zum Schutz der Natur ausgespart. Die Projektanten erwarten durch die Anlagen auch neue Nischen für die Biodiversität.

Wind oder Sonne?

Eine Windanlage mit vier grossen Windturbinen kann in der Schweiz die selbe Energiemenge wie die Anlage Sedrun Solar produzieren, wobei rund zwei Drittel im Winter anfallen (Sedrun Solar: 47 Prozent)

Der Flächenbedarf für Windanlagen ist deutlich geringer. Für vier grosse Turbinen wird heute mit rund 1 Hektare versiegelter Fläche gerechnet. Das Solarprojekt belegt 33 Hektar Fläche, wobei der Boden nur minimal versiegelt wird und teilweise landwirtschaftlich nutzbar bleibt. Kühe können allerdings wegen der Steilheit des Geländes nicht weiden.

Während die alpine Solaranlage auf 50 bis 60 Jahre Betriebsdauer ausgelegt ist, müssen Windturbinen nach rund 20 bis 25 Jahren ersetzt werden.

Fotografische Impressionen

Link

Homepage Sedrun Solar

Bundesamt für Energie: Photovoltaik-Grossanlagen nach Art. 71a EnG in der Schweiz (mit aktueller interaktiver Karte)