Obwohl bereits 45 der 65 geplanten Windenergieanlagen vor der Küste Rhode Islands (USA) stehen, musste das Projekt Revolution Wind alle Bauarbeiten einstellen. Die US-Regierung geht gezielt gegen nachhaltige Energien vor. Ein Gericht hebt nun den Entscheid auf bezeichnet das Vorgehen des Bundesamts als »Höhepunkt willkürlichen und launenhaften« Regierungshandelns
Neuer Schlag gegen den Ausbau der Erneuerbaren Energien: Die US-amerikanische Regierung hat den Bau des Windparks Revolution Wind gestoppt, obwohl alle erforderlichen Genehmigungen vorlagen und bereits alle Fundamente und ein Großteil der Anlagen errichtet wurden.
Der dänische Energiekonzerns Ørsted, der 50 Prozent Anteil am Projekt hält, hatte am Sonntag mitgeteilt, auf Anweisung des Bureau of Ocean Energy Management (BOEM) alle Aktivitäten rund um den Bau des 704-MW-Windparks vor der Küste Rhode Islands einzustellen. Die Behörde hatte zuvor den Baustopp mit nicht näher ausgeführten Sorgen um die nationale Sicherheit begründet.
Im vergangenen Jahr hatten die Bauarbeiten an dem Projekt begonnen, 45 der 65 Anlagen sind gemäss Ørsted bereits installiert. Stromabnahmeverträge über 20 Jahre seien abgeschlossen worden: Lieferung von 400 MW Strom an Rhode Island und 304 MW an Connecticut. Die Inbetriebnahme der Anlage war für die zweite Hälfte 2026 geplant.
Das Unternehmen prüft nun rechtliche Schritte.
Politischer Hintergrund
Rhode Island ist der kleinste US-Bundesstaat und etwas grösser als der Kanton Tessin. Er hat 1.1 Millionen Einwohner:innen. Bei den Präsidentschaftswahlen 2024 wählten 55.54% die Demokraten, 41.76% die Republikaner. Rhode Island schickt je zwei demokratische Mitglieder des Senats und des Repräsentantenhauses ins nationale Parlament.
Bedeutung für die Energieerzeugung
Der Windpark mit 704 MW Leistung erzeugt rund 2.8 TWh sauberen Strom pro Jahr, der zu 2/3 im Winter anfällt. Rhode Island verbraucht 7.3 TWh pro Jahr. Somit sollte die Anlage knapp 40% des Stroms liefern.
Mit 2.8 TWh könnten mehr als 600’000 Schweizer Durchschnittshaushalte versorgt werden.
Nachtrag, Stand 23.9.2025
Der SPIEGEL meldete am 22.9.2025, der dänische Energiekonzern Ørsted habe im Streit über ein fast fertiggestelltes Windkraftprojekt in den USA einen juristischen Sieg gegen die Regierung von Präsident Donald Trump errungen. Ein Bundesrichter in Washington hob demnach einen von der Regierung im August verhängten Baustopp für das Projekt »Revolution Wind« auf.
Richter Royce Lamberth bezeichnete die von der Regierung Wochen nach dem Stopp nachträglich vorgebrachten Erklärungen als »Höhepunkt willkürlichen und launenhaften« Regierungshandelns. Er begründete seine einstweilige Verfügung damit, dass dem Projekt ein »irreparabler Schaden« drohe und eine Investition von fünf Milliarden Dollar gefährdet sei. »Wenn ›Revolution Wind‹ die Fristen nicht einhalten kann, könnte das gesamte Projekt scheitern«, sagte er.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat ein Sprecher von Ørsted mitgeteilt, dass das Unternehmen die betroffenen Bauarbeiten schnellstmöglich wieder aufnehmen und sich weiterhin um eine Zusammenarbeit mit der US-Regierung bemühen werde.
Die Entscheidung ist ein Rückschlag für Trump, der seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 die Förderung von Wind- und Solarenergie systematisch zurückfährt. So stoppte seine Regierung am ersten Tag im Amt die Vergabe neuer Lizenzen und Genehmigungen für Windenergieprojekte. Im Juli unterzeichnete Trump ein Gesetzespaket, das Subventionen für Wind- und Solarprojekte vorzeitig beendete. In der vergangenen Woche nannte Trump Windkraft einen teuren Witz und ein Desaster.
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